Marsanne Blanche: Unentdecktes Juwel der weißen Rebsorten

Marsanne Blanche: Unentdecktes Juwel der weißen Rebsorten

Masanne: Die Welt der weißen Rebsorten ist ein Ozean voller Entdeckungen, ein Universum, das darauf wartet, erforscht zu werden. Doch während einige Sterne hell am Himmel der Weinkenner leuchten, gibt es auch unentdeckte Juwelen, die in den Tiefen dieses Ozeans verborgen liegen. Eines dieser Juwelen ist die Rebsorte Marsanne, benannt nach dem idyllischen Dorf Marsanne im französischen Département Drôme. Ein Name, der vielleicht nicht so bekannt ist wie Chardonnay oder Sauvignon Blanc, aber dennoch eine Fülle von Geschmack und Komplexität bietet, die selbst den anspruchsvollsten Gaumen verzaubern kann.

In diesem Artikel begeben wir uns auf eine faszinierende Reise, die uns in die idyllischen Weinberge des nördlichen Rhonetals und direkt ins Herz des Départements Drôme führt, der Heimat des gleichnamigen Dorfes, nach dem die Rebsorte benannt wurde. Wir werden die Geheimnisse dieser außergewöhnlichen Rebsorte lüften, ihre Geschichte und Herkunft erkunden und die vielschichtigen Aromen und Texturen entdecken, die sie im Glas entfaltet. Von den anspruchsvollen Böden und klimatischen Bedingungen, die sie benötigt, bis hin zu den kulinarischen Wundern, die sie begleitet – Marsanne ist nicht nur eine Rebsorte, sondern eine Einladung zu einer sinnlichen Entdeckungsreise durch die Welt des Weins.

Herkunft und Geschichte der Marsanne Rebsorte

Die Wurzeln von Marsanne sind tief in der französischen Kultur und dem Terroir des nördlichen Rhonetals, genauer gesagt der Nordrhône, verankert. Erstmals 1781 dokumentiert, trug sie damals den majestätischen Namen ‚Ermitage Blanc‘. Interessanterweise wurde sie oft mit Roussanne (Petite Roussette) verwechselt, einer Verwechslung, die durch DNA-Analysen endgültig aus der Welt geschafft wurde. Diese Analysen enthüllten eine Eltern-Nachkommen-Beziehung zwischen den beiden Rebsorten, was die Komplexität ihrer genetischen und geschmacklichen Profile nur noch faszinierender macht.

Die Marsanne ist wirklich die Diva unter den Rebsorten, eine echte Zicke, die nur unter den allerbesten Bedingungen ihre ganze Pracht zeigt. Sie ist nicht nur anfällig für Krankheiten wie Echten Mehltau und Botrytis, sondern auch extrem wählerisch, wenn es um ihren Standort geht. Während sich die Krankheiten mit moderner Weinbergsbewirtschaftung in Schach halten lassen, lässt sich an den Böden nur wenig verändern. Der Boden muss ein perfektes Gleichgewicht aus Lehm, Granit, Kalk und Kalkstein bieten, damit diese anspruchsvolle Dame wirklich aufblüht. Nur dann – und wirklich nur dann – zeigt sie, was in ihr steckt. Und habe ich schon ihre Ansprüche an das Klima erwähnt? Nur in gemäßigten klimatischen Bedingungen fühlt sich die empfindliche Rebe wohl und bringt die für sie typischen Weißweine hervor. Ist es zu heiß, neigt sie zur Überreife und baut zu viel Säure ab, was zu flachen Weinen führt. Ist es ihr zu kalt, kann sie nicht vollständig ausreifen. Das Ergebnis: langweilige, eindimensionale Weine ohne Tiefe und Aroma.

Die ideale Bühne für diese launische Rebsorte sind Böden, die eine reiche Mischung aus Lehm, Granit, Kalk und Kalkstein aufweisen. Und wo könnte man ein solches Terroir besser finden als in der Drôme Provençale, nahe der malerischen Stadt Montélimar? Hier, in dieser speziellen Ecke der Welt, erstrecken sich zahlreiche Hektar an Weinbauflächen, die wie geschaffen sind für die Marsanne. Es ist, als hätte die Natur selbst diesen Ort ausgewählt, um dieser komplexen und anspruchsvollen Rebsorte ein Zuhause zu geben.

Trauben der Sorte Marsanne am Rebstock
Marsanne Blance Trauben am Rebstock

Der Anbau von Marsanne

Marsanne ist zwar an der Rhône fest verwurzelt, aber ihre Fühler strecken sich weit über die französischen Grenzen hinaus. Sie findet sich auf knapp 2000 Hektar in Weinregionen weltweit, von der Schweiz und Italien (Toskana, Sardinien) bis hin zu Australien, Spanien (Katalonien), Portugal und sogar Kalifornien. In Frankreich ist sie in verschiedenen AOC Regionen zugelassen, wo ihr Ertrag pro Hektar streng reguliert wird, um eine möglichst hohe Qualität der Weine zu gewährleisten.

Das bedeudenste Anbaugebiet für die Rebsorte ist und bleibt jedoch die französische Nordrhône (Hermitage, Saint-Joseph und Saint-Péray), mit rund 80 % der internationalen Gesamtrebfäche der Sorte. Hier entstehen körperreiche Weine die sich in der Nase mit Noten von Pfirsich, Zitrusfrüchten, Honig und Jasmin präsentieren. Übrigens: In der AOC Chateauneuf-du-Pape (südliche Rhône), der wohl bedeutendsten Appelation für rote aber auch weiße Rhôneweine, ist die Rebsorte nicht zugelassen!

In Australien, wo die Rebsorte erstmals in den 1860er Jahren in Victoria (Nagambie Lakes, Heathcote) angebaut wurde, existiert heute noch die weltweit zweitgrößte Population der Sorte. Hier gibt es Marsanne-Reben, die bis ins Jahr 1927 zurückreichen und somit zu den weltweit ältesten Marsanne-Reben gehören. Doch auch im Süden Australiens, etwa in den berühmten Gebieten Barossa Valley, McLaren Vale oder den Adelaide Hills, finden sich Marsanne-Rebstöcke.

Auch in den USA erfreut sich die Traube in den kalifornischen Weinbaugebieten Paso Robles, Santa Barbara County und Sonoma County sowie in Washington State (Yakima Valley, Walla Walla Valley) einer extrem kleinen, aber feinen Beliebtheit.

In der Schweiz, insbesondere im Kanton Wallis, wird sie unter ihrem Synonym »Hermitage« sowohl für trockene als auch für süße Weine verwendet. 

Anbauländer

LandRebfläche in Hektar (2016)
Frankreich1484
Australien 161
Schweiz48
Italien 47
Südafrika21
Chile18
Kanada3
Argentinien2
Uruguay1
USAk. A

Das vielschichtige Geschmacksprofil von Marsanne-Weinen

Die Weine der Sorte sind ein sinnliches Erlebnis, eine Symphonie am Gaumen, die über das hinausgeht, was man normalerweise von einer Weißweinsorte erwartet. Sie entfalten eine intensive Farbe und ein reichhaltiges Aromenprofil, das eine komplexe Palette exotischer Gewürzen bis hin zu reifen Birnen umfasst. Die Möglichkeit, die Weine in Holzfässern auszubauen und reifen zu lassen, fügt ihnen eine weitere Dimension hinzu. Hierdurch erhalten sie zusätzliche Tiefe und Komplexität, die man sonst nur bei den besten Rotweinen findet.

Mit der Zeit verwandeln sich diese Weine in ein noch intensiveres Geschmackserlebnis. Ihre Farbe wird dunkler, die Aromen konzentrierter, und sie entwickeln eine ölige, honigartige Textur, die an eine exquisite Mischung aus Nüssen und Quitten erinnert. Diese aromatische Weißweinsorte bietet eine Fülle von Möglichkeiten, sowohl reinsortig als auch als Cuvée. Als Verschnittpartner für andere Sorten wie Roussanne und Viognier eröffnet Marsanne ein ganzes Universum an Geschmacksnuancen, das selbst den anspruchsvollsten Weinliebhaber in Staunen versetzt.

Die Kunst des Pairings: Marsanne Weine und Kulinarik

Die kulinarische Vielseitigkeit ihrer Weine ist schlichtweg beeindruckend und spricht für die Raffinesse der weißen Rebsorte. Ihre vollmundige Struktur und die subtilen, aber dennoch markanten Aromen machen sie zu einem gastronomischen Chamäleon, welches sich perfekt in eine breite Palette von Gerichten einfügt. Ob für ein pikantes gelbes Curry aus den Tiefen Thailands, die würzigen Noten eines Bami Goreng aus Indonesien oder  einem klassischen Kalbsschnitzel in einer cremigen Rahmsauce – ein Glas Marsanne fügt jedem dieser Gerichte eine zusätzliche, fast magische Dimension des Genusses hinzu.

Als idealer Verschnittpartner für andere Rebsorten, beispielsweise Roussanne oder Viognier, erweitert Marsanne nicht nur das Spektrum der Weinsorten, die Sie genießen können, sondern auch die kulinarischen Kombinationen, die Sie erforschen können. Von Meeresfrüchten über exotische Delikatessen bis hin zu traditionellen europäischen Gerichten – Marsanne ist der Schlüssel zu einem universellen kulinarischen Erlebnis, das sowohl den Gaumen als auch die Seele berührt.

Diverse Meeresfrüchte auf einem weißen Teller
Als Cuvée mit Roussanne oder Viognier ist Marsanne ein hervorragender Begleiter zu Meeresfrüchten.

Ermitage blanc, Hermitage und Marzanne: Die vielen Synonyme der Rebsorte

Marsanne ist eine Rebsorte der vielen Namen. Aber egal, unter welchem Namen sie auftritt, sie bleibt eine Rebsorte, die es verdient, entdeckt zu werden. Nicht alle der hier aufgelisteten Namen sind überall gebräuchlich und nur die wenigsten von ihnen sind als Bezeichnung für die Rebsorte heute noch zugelassen.

Die vielen Synonyme der Rebsorte

  • Avillan
  • Avilleran
  • Avilleron
  • Champagne Piacentina
  • Ermitage
  • Ermitage Blanc
  • Ermitazh
  • Grosse Roussette
  • Hermitage
  • Johannisberg
  • Malvasia Bianca di Basilicata
  • Malvasia Bianca di Lucania
  • Marsan
  • Marsan Belyi
  • Marsanne Blanche
  • Marsanne Drome
  • Marzanne
  • Metternich
  • Rousseau
  • Roussette de Saint Peray
  • Roussette Grosse
  • White Hermitage
  • Zrmitazh

Die Faszination Marsanne – Ein Kaleidoskop der Weinwelt

Marsanne ist weit mehr als nur eine weitere weiße Rebsorte auf der langen Liste der Weinbaukunst. Sie ist ein komplexes, vielschichtiges Erlebnis, das den Genießer auf eine transzendentale Reise durch Zeit, Raum und die facettenreiche Welt des Weins mitnimmt. Mit ihren vollmundigen, aromatisch komplexen Noten und ihrer reichen, oft unterschätzten Geschichte, stellt Marsanne eine unverzichtbare Entdeckungsreise für jeden Weinliebhaber dar, der sich selbst als ernsthaft und leidenschaftlich bezeichnet.


Titelbild / Traube am Rebstock: Ursula Brühl, Doris Schneider, Julius Kühn-Institut (JKI)

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