Mit rund 200.000 Hektar Rebfläche handelt es sich bei der Rebsorte Chardonnay um den französischen Rockstar der weißen Rebsorten. Sie ist die weltweit am meisten angebaute Weißweintraube und findet sich sowohl in den heißen Anbaugebieten Australiens, als auch in den kühlsten Weinbauregionen wie Großbritannien oder Dänemark wieder.

Die große Verbreitung ist vor allem auf seine hervorragende Anpassungsfähigkeit zurückzuführen. Denn trotz seines Rufs als das Chamäleon unter den Sorten, besitzt Chardonnay die Fähigkeit, bei unterschiedlichsten klimatischen Bedingungen, Weine von extrem hoher Qualität hervorzubringen. Doch auch bei ihm gilt die Devise: Nirgends ist es schöner als zu Hause. In seiner burgundischen Heimat fühlt er sich besonders wohl. Dort finden sich die besten Chardonnays der Welt – zumindest nach der Meinung der Franzosen.

Inhaltsverzeichnis

Herkunft und Geschichte des Chardonnay

Ein weitverbreiteter Irrglaube ist, dass der Chardonnay aus dem Nahen Osten stammt und mit den Kreuzfahrern nach Frankreich kam. Wie genetische Analysen zeigen, handelt es sich bei der Rebsorte um eine natürlich Kreuzung zwischen Heunisch und Pinot. Der genaue Pinot-Typ steht jedoch noch nicht zweifelsfrei fest. Der Grund dafür ist die hohe genetische Ähnlichkeit unter den Pinot-Arten. Mittlerweile geht man davon aus, dass es sich um Pinot Noir handelte. Genauere genetische Untersuchen müssen diesen Verdacht noch bestätigen.
Die Untersuchungen offenbarten jedoch, dass beide Eltern des Chardonnay aus dem Burgund stammen und lösten das Rätsel um die Herkunft der Rebsorte endgültig. Das Märchen um den Einfluss der Kreuzfahrer kann somit ad acta gelegt werden. Durch die Benediktiner verbreitete sich der Chardonnay später in ganz Europa. Übrigens: Auch die Rebsorten Auxerrois, Aligoté und Gamay entstanden aus spontanen Kreuzungen zwischen Heunisch und Pinot.

Die erste schriftliche Erwähnung des Chardonnay fand im Dorf Saint-Sorlin, dem heutigen La Roche-Vineuse, statt und geht zurück auf die Zeit zwischen 1685 und 1690, wo er unter dem Namen Chardonnet bekannt ist. Eine frühere Nennung aus dem Jahr 1583 kann nicht eindeutig zugeordnet werden.

Sein Namenspate ist die Gemeinde Chardonnay in der Region Bourgogne-Franche-Comté, Saône-et-Loire, in der er bis heute vorwiegend angebaut wird.

Durchbruch für den Chardonnay – „ The Judgement of Paris“

Zum Ende der 1970er Jahre trat Chardonnay zu seinem weltweiten Siegeszug an und gewann rasant an Beliebtheit. Der Auslöser war eine Weinverkostung die als ›Weinjury von Paris‹ in die Geschichte einging. Im Mai 1976 veranstaltete der Weinhändler Steven Spurrier in Paris eine Blindverkostung von Chardonnays und Cabernet Sauvignons aus Kalifornien und dem Burgund. Die Jury: die zur damaligen Zeit höchstangesehenen Weinkritiker Frankreichs, darunter auch Aubert de Villaine, Winzer und Teilhaber des sagenumwobenen Weinguts »Romanée-Conti«.

Bis hier hin eigentlich kein nennenswertes Ereignis, denn Weinverkostungen fanden bereits damals recht häufig statt. Das Ergebnis dieser Blindverkostung traf die Weinwelt tief ins Mark.
Bis zu diesem Ereignis hatten französische Weine eine Vormachtstellung auf dem Markt und galten als qualitative Speerspitze. Diese “Fehlstellung” wurde an diesem Tag ein für alle Mal korrigiert. Das Ende der Blindverkostung endete beinahe in Handgreiflichkeiten seitens der Juroren, die Spurrier Betrug vorwarfen.

Das Ergebnis: Als bester Chardonnay ging der 1973 Chateau Montelena Winery hervor – ein Kalifornier. Unter den Top 10 der verkosteten Chardonnays fanden sich nur vier Franzosen. Während in der ganzen Welt Schlagzeilen die Zeitschriften füllten und vom Untergang der französischen Vormachtstellung berichteten, wurde das Ergebnis in Frankreich totgeschwiegen.
Bei den Rotweinen tat sich ein ähnliches Bild auf: Was während der Blindverkostung als „Die Größe Frankreichs“ betitelt wurde, stellte sich später als ein kalifornischer Cabernet Sauvignon heraus. Auch hier belegte ein Kalifornier den ersten Platz.

Anbau – Kalkreiche Böden und warmes Klima sind für guten Chardonnay entscheidend

Chardonnay ist, verglichen mit anderen Rebsorten, recht anspruchslos, bevorzugt jedoch kalkhaltige bis kalkreiche Böden. Er wächst auf nahezu jedem Untergrund und besitzt dabei das Potenzial, Weine von hoher Qualität hervorzubringen. Nur sehr kalkarme und feuchte Böden sind für seinen Anbau ungeeignet.

Im Bezug auf das Klima stellt Chardonnay ebenfalls wenig Ansprüche und gedeiht sowohl in heißen, als auch in kälteren Zonen. Zwar stammt die Rebsorte ursprünglich aus dem gemäßigten Burgund, man findet sie aber ebenso in den heißen Gebieten Kalifornien oder im kalten Großbritannien.

Kein Wunder also, dass es sich bei ihm um die am meisten angebaute Weißweinrebe handelt. Na gut, wer es genau nimmt, wird jetzt einwenden, dass die Rebsorte Airén die meistangebaute Weißweinrebsorte darstellt. Allerdings hat der Airén nahezu keine Bedeutung für die Weinwelt, da er fast ausschließlich für die Produktion von spanischem Brandys dient – weshalb die wenigsten überhaupt von seiner Existenz wissen. Man darf also ein Auge zudrücken und dem Chardonnay seine Spitzenposition gönnen.

Anbaugebiete – Wo wächst Chardonnay eigentlich nicht?

Wie bereits erklärt stellt Chardonnay nur wenige Ansprüche an seinen Standort, weswegen er nahezu in jedem Weinbauland der Welt angebaut wird. Wirklich hochwertige und nennenswerte Weine lassen sich jedoch auf eine Handvoll Anbaugebiete reduzieren – von einigen Ausnahmen mal abgesehen.

Frankreich – Heimatland des Chardonnay

Die namhaftesten Lagen für Chardonnay finden sich in seiner französischen Heimat, genauer gesagt auf den kalkreichen Böden der Weinberge im Burgund. Die berühmtesten Anbaugebiete hören auf wohlklingende Namen wie Meursault, Corton-Charlemagne, Chablis und Montrachet. Letztere gilt als die namhafteste aller Lagen für Chardonnay, weshalb man für einen Montrachet Grand Cru nicht selten ein halbes Vermögen berappen muss. Der französische Schriftsteller Alexandre Dumas der Ältere sagte einmal: »Wein aus Montrachet muss man auf Knien und mit gezogenem Hut trinken.« Ob das stimmt, darüber lässt sich genauso hervorragend streiten wie darüber, ob man wirklich einen Wein für mehrere Hundert Euro probiert haben muss, um etwas davon zu verstehen.

»Wein aus Montrachet muss man auf Knien und mit gezogenem Hut trinken.«

Alexandre Dumas der Ältere

Neben dem Burgund spielt der Chardonnay vor allem in der Champagne eine entscheidende Rolle. Hier dient die Rebsorte für die Grundweine der Champagnerproduktion. So besteht ein klassischer Champagner zu 50 bis 70 Prozent aus einem Grundwein der Rebsorte. Da Chardonnay die einzige weiße Rebsorte ist, die in der Champagne zugelassen ist, handelt es sich bei einem Blanc de Blanc Champagner immer um einen reinen Chardonnay.

Vereinigte Staaten von Amerika – Eleganter als aus dem Burgund?

Die USA haben seit 1976 ein ganz besonderes Verhältnis zu ihrer Lieblingstraube, als bei der wohl berühmtesten Blindverkostung der Geschichte (die Weinjury von Paris) amerikanische Chardonnays und Cabernet Sauvignons gegen ihre Kontrahenten aus Frankreich antraten und gewannen.

Bereits kurz nach diesem Ereignis sprang die Nachfrage nach kalifornischem Chardonnay in die Höhe. Heute sind die Vereinigten Staaten die zweitgrößten Produzenten von Chardonnay, gemessen an der Rebfläche.

Während im warmen Kalifornien vollmundige und alkoholreiche Chardonnays produziert werden, sind die Weine aus den kühleren Regionen wie Washington State für ihre fruchtige, leichte und elegante Stilistik bekannt.

Australien

Auch in Down Under hat der Chardonnay ein Zuhause gefunden. Mit über 21.000 Hektar positioniert sich Australien auf Platz drei der Länder mit der größten Rebfläche an Chardonnay.

Die hochwertigsten Weine findet man in der Region Margaret River, im Südwesten des Kontinents, wo die klimatischen Bedingungen mit denen in Bordeaux vergleichbar sind.

Weitere bekannte Anbaugebiete für Chardonnay in Australien:

  • Adelaide Hills
  • Mornington Peninsula
  • Yarra Valley
  • Hunter Valley

Italien

Chardonnay war in Italien lange nicht als eigene Rebsorte bekannt. Seine hohe ampelographische Ähnlichkeit mit dem Weißburgunder sorgten dafür, dass er über einen großen Zeitraum nicht von diesem unterschieden wurde. Dieser Irrtum führte zu Weinbergen die im Gemischten Satz, also unterschiedlichen Rebsorten innerhalb eines Weinbergs, kultiviert wurden. Bis in die 1980er wurden solche Weine unter der Bezeichnung Pinot Bianco auf den Markt gebracht. Dabei besitzen die Beeren des Chardonnay eine intensivere Färbung als die des Weißburgunders. Dieser Umstand führte dazu, dass er in Südtirol unter dem Namen Gelber Weißburgunder bekannt war.

Heute wächst Chardonnay in Italien auf fast 20.000 Hektar. Die größten und bekanntesten Regionen finden sich nahezu ausschließlich in direkter Alpennähe. Nennenswert sind hier die Gebiete Friaul, Südtirol, Trentino und Veneto.

Weitere Anbaugebiete

Neben den genannten Gebieten wird Chardonnay beinahe in jedem weinproduzierenden Land der Welt angebaut. Neben bekannteren Weinbauländern wie Südafrika, Spanien und Deutschland, findet man ihn auch in ungewöhnlicheren Gegenden wie Japan, Brasilien, Peru, Dänemark, Großbritannien und sogar in Myanmar.

In Deutschland befinden sich seine größten Anbaugebiete in der Pfalz, Rheinhessen und in Baden.

Top 10 Anbauländer für Chardonnay nach Rebfläche in Hektar

LandRebfläche in ha
Frankreich45.243
USA40.846
Australien27.773
Italien19.700
Chile13.082
Südafrika8.278
Spanien6.958
Argentinien6.473
Republik Moldau5.134
Neuseeland3.911
Stand: 28.11.2019

Holz und Stahl – Ausbau und Stilistik des Chardonnay

Chardonnay besitzt den Ruf, die Rebsorte zu sein, die am stärksten auf Kellermaßnahmen reagiert. Darüber hinaus gilt er als eine der wenigen Weißweinsorten, die von einem Ausbau im Holzfass profitieren können. Aus diesem Grund finden sich meist zwei Stiltypen wieder, die sich vor allem durch die Auswirkung des Ausbaus unterscheiden.

Klassische Wuchtbrummen: Chardonnay aus dem Holzfass

Im Holzfass ausgebauter Chardonnay stellt dabei den Klassiker dar und zeichnet sich durch seinen cremigen, fetten Charakter aus. Häufig durchlaufen solche Chardonnays einen biologischen Säureabbau, bei dem die rassige Äpfelsäure in cremige Milchsäure umgewandelt wird. Verantwortlich für diesen Prozess ist das Milchsäurebakterium Oenococcus oeni. Während dieser malolaktischen Gärung produziert es Diacetyl, welches für ein leichtes Butteraroma sorgt. In kleinen Mengen ist dies erwünscht und wirkt sich positiv auf die Komplexität des Weins aus. Die typischen Aromen von Chardonnays aus dem Holzfass sind: tropische Früchte, Vanille, Butter und leichte Rauchnoten.

Frisch und Fruchtig: Ausbau im Stahltank

Die andere Art ist der Ausbau im Edelstahl – wie für Weißweine üblich. Ohne den Kontakt mit Sauerstoff und mit ausbleibender Milchsäuregärung behält der Wein seine Fruchtigkeit. Im Stahl ausgebauter Chardonnay lässt sich durch seine fruchtbetonte Nase identifizieren. Die Aromen von Honigmelonen, reifen Äpfeln und Orangenschale sind bezeichnet für diesen Weinstil. Am Gaumen wird der Unterschied besonders deutlich: Die Weine aus dem Stahltank besitzen eine erfrischende Säure, während die aus dem Holzfass vom Mundgefühl eher an Joghurt oder Molke erinnern.

Ein weiterer Unterschied betrifft die Lagerfähigkeit. Während Chardonnays aus dem Stahl jung und frisch genossen werden sollten, können hochwertige Weine aus dem Holzfass nach 20 Jahren so richtig Spaß bereiten. Auch hier gilt die Regel: Je hochwertiger der Wein, desto größer ist sein Lagerpotenzial.

Welches Essen passt zu Chardonnay?

Die kulinarischen Begleiter sind, wie so einiges bei dieser Rebsorte, recht vielseitig und hängen vor allem von der Stilistik des Weins ab. Eines gilt jedoch als Gesetz: Als Champagner geht Chardonnay immer.

Junge und fruchtige Weine

Bei Chardonnays aus dem Stahl eignen sich leichte Gerichte wie Meeresfrüchte und weißer Fisch. Durch seine rassige Säure hält der Wein aber auch gegen sahnige und fettige Pilz- und Nudelgerichte an.

Chardonnay aus dem Barrique

Die großen Weine aus dem Holz eignen sich eher für gebratenes Kalbfleisch, Geflügel oder Käse.

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