Was gibt es Schlimmeres? Du freust dich auf einen entspannten Weinabend mit Freunden oder deiner Familie, hast einen besonderen Wein ausgewählt, öffnest die Flasche und Dir schlägt ein unangenehmer Geruch entgegen. Dein erster Gedanke: Es handelt sich um einen Weinfehler.


Allerdings muss dies nicht unbedingt der Fall sein, denn nicht alle Weine, die etwas unangenehm riechen oder nicht besonders gut schmecken, müssen auch einen Fehler haben. Teilweise können die irritierenden Eigenschaften auch auf eine falsche Trinktemperatur des Weines oder aber die Traube selbst, die Dir fremde Duftstoffe und Aromen aufweist, zurückgeführt werden. Daneben kommt es vor, dass bei der Gärung, der Lagerung oder aber beim Abfüllen des Weins etwas schiefgelaufen ist und ausgerechnet Du eine Flasche mit einem echten Weinfehler erwischst. Während einige Fehler lediglich das Geschmackserlebnis trüben, machen andere den edlen Tropfen ungenießbar. Im Folgenden verraten wir Dir alles, was Du über die zehn häufigsten Weinfehler wissen musst.

Die zehn häufigsten Weinfehler im Überblick

Sicher hast auch Du schon einmal eine Flasche Wein geöffnet und Dir ist eine Korknote entgegengeschlagen – ein klassischer Weinfehler. Neben ihm gibt es jedoch noch zahlreiche weitere Fehler. Wir stellen Dir im Folgenden die zehn wichtigsten vor.

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Anders als Gedacht! Auch Weine mit Schraubverschluss können vom Korkfehler betroffen sein.

Korkton (TCA)

Der häufigste und wohl auch bekannteste Fehler ist der Korkton. Weniger bekannt ist wahrscheinlich die Tatsache, dass dieser Fehler auch einen Wein – zumindest geschmacklich – ungenießbar machen kann, der überhaupt keinen Korkverschluss besitzt.
Der Verursacher des Korktons ist das Trichloranisol (TCA). Obwohl dieser Stoff häufig in Kork zu finden ist, kann er auch auf anderen Wegen, beispielsweise über Bau- und Verpackungsmaterialien wie Paletten oder Kartons, in denen er sich befindet, in den Wein gelangen. Die wohl wahrscheinlichste Ursache für diesen Weinfehler ist jedoch, dass TCA als Stoffwechselprodukt von Mikroorganismen in den Korken einer Weinflasche gelangt.

Weisen Weine eine Korknote auf, spricht man fachlich korrekt von einer TCA-Verseuchung. Charakteristisch für diese ist ein muffiger, scharfer oder korkiger Geschmack des Weins.

Besitzt ein Wein eine teils muffige und stumpfe Duftnote, die Du nicht eindeutig als Korkton identifizieren kannst, kann es sich um den sogenannten schleichenden Kork handeln. Dies ist eine spezielle Variante des Weinfehlers Korkton, der häufig erst im Vergleich des Weins mit einer anderen Flasche desselben Jahrgangs ausgemacht werden kann.

Grundsätzlich sollte ein Wein mit Korkton nicht getrunken werden. Bist Du Dir nicht sicher, ob Dein Wein diesen Fehler aufweist, kannst Du eine kleine Menge des Weines mit Mineralwasser mixen. Verstärkt sich der muffige, teils ledrige Geruch, solltest Du den Wein nicht trinken – von Genuss kann ohnehin nicht mehr die Rede sein.

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Einen Böckser erkennt man an seinem Geruch nach Schwefel, faulen Eiern oder nachabgebrannten Streichhölzern. Weg damit!

Böckser

Wird davon gesprochen, dass ein Wein einen Böckser hat, weist er einen Geruch nach faulen Eiern und Schwefel auf. Häufig wird gesagt, er stinke nach Ziegenbock. Fakt ist, dass Weine mit Böckser einen sehr unangenehmen Geruch verströmen, der dich vor dem »Genuss« zweifelsohne zurückschrecken lässt. Dieser Weinfehler tritt in unterschiedlichen Ausprägungen auf: Teils wird der unangenehme Geruch auch als gummiartig oder als eine Zwiebel-Knoblauchnote beschrieben.

Ursächlich für Böckser sind Sulfite, die durch Schwefel in den Wein gelangen und im Rahmen eines chemischen Prozesses zu Schwefelwasserstoff umgesetzt werden. In der Regel sind eher junge Weine von Böckser betroffen. Weitere Ursachen sind eine zu hohe Gärtemperatur und sich im Wein befindende Pflanzenschutzmittelreste. Allerdings können auch gelagerte Weine einen Böckser aufweisen, wobei dann in Fachkreisen von einem Mercapatan, d. h. einem Lagerböckser, gesprochen wird. Trinkbar sind Weine mit Böckser in der Regel nicht mehr.

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Ein leichter Butterton ist nicht immer ein Fehlton.

Butter- oder Molketon

Weisen Weine einen Butter- oder Molketon auf, verfügen sie über eine spezifische Konzentration des Stoffes Diacetyl. Bekannt ist Diacetyl auch als ein natürlicher Bestandteil von Butter. In der Regel wird erst dann von einem Fehler des Weins gesprochen, wenn Diacetyl in einer bestimmten Menge vorhanden ist. Weine, die lediglich eine geringe Konzentration des Stoffes aufweisen, können dagegen mit nussartigen oder karamellartigen Nuancen punkten. Von einem klassischen Weinfehler wird erst ab einer Konzentration von mehr als 5 mg/l Diacetyl gesprochen.

7
Der Geruch von Lösungsmitteln tritt häufig bei jungen Süßweinen auf.

Lösungsmittelton

Die Bezeichnung dieses Fehlers kann ebenfalls auf ein charakteristisches Merkmal des Weines zurückgeführt werden. So riechen und schmecken Weine, die von diesem Fehler betroffen sind, nach Lösungsmitteln. Häufig findet sich ein sogenannter Lösungsmittelton in jungen Süßweinen. Bist Du ein Fan von jungen Süßweinen, wirst Du diesen Fehler – ebenso wie die meisten anderen auch – erst ab einer recht hohen Intensität als störend empfinden. Häufig ist dies bei Rotwein der Fall. Weißweinfans tolerieren dagegen eine deutlich höhere Konzentration dieser Substanz.

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Weine mit flüchtiger Säure können an den Geruch von sauren Gurken erinnern.

Essigstich (flüchtige Säure)

Wie der Name bereits vermuten lässt, riechen Weine, die diesen Fehler aufweisen, nach Essig. Aus diesem Grund ist anzunehmen, dass Du diesen Fehler erkennst. In der Regel schmeckst Du die Essignote sofort, wenn Du deinen Wein probierst.

Ursächlich für einen Essigstich ist der in Weinen enthaltene Ethanol-Alkohol, der durch Bakterien zu Essigsäure abgebaut wird. Der Essigstich wird von Veresterungsprodukten, die im Zuge des Abbaus entstehen, verursacht. Ebenso wie bei anderen Fehlern gilt auch hier, dass er erst ab einer bestimmten Konzentration problematisch wird. Haben Weine einen Essigstich, wird auch davon gesprochen, dass sie über flüchtige Säure verfügen. Während dieser Fehler bei süßen Weinen relativ häufig vorkommt, sind Schaumweine nur selten betroffen.

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Vor allem bei alten Rieslingen ein häufiger und teilweise erwünschter Duft, der an »Tankstelle« erinnert.

Petrolton

Öffnest Du eine Weinflasche und Dir schlägt ein spezifischer Petroleumgeruch entgegen, kann es sich um einen Weinfehler handeln – muss es aber nicht. Für den Petrolton ist die Substanz Trimethyl-Dihydronaphtalin (TDN) verantwortlich, wobei die Stärke des Petroleumgeruchs variiert und eine Spanne von leicht bis sehr stark umfasst.

Ob es sich um einen Fehler handelt, ist sowohl vom Alter als auch von der Sorte des Weines abhängig: Während eine Petroleumnote für Traminer und reife Rieslinge charakteristisch ist, sollten junge Weine keinesfalls über einen derartigen Geruch verfügen. Dieser Weinfehler verfügt über eine eigene Fangemeinde, die den Geruch als angenehm und teilweise betörend empfinden.

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Auf dem Balkon gerne gesehen, im Wein hat ein Geranienton allerdings nichts zu suchen.

Geranienton

Riecht ein Wein nach Geranien, kannst Du von einem Weinfehler ausgehen. Ursächlich für diesen Fehler ist der Stoff Geraniol, der dann entsteht, wenn Sorbinsäure von Bakterien abgebaut wird. Dies kann natürlich nur dann der Fall sein, wenn dem Wein Sorbinsäure als Konservierungsmittel beigesetzt wurde.

Obschon die für den Geranienton verantwortliche Sorbinsäure als Mittel gegen spezifische Hefe- und Schimmelpilze fungiert, ist seine Zugabenmenge als Konservierungsmittel in den meisten Anbaugebieten streng reglementiert. Weil die Substanz nicht gegen Essigsäure und Milchsäurebakterien wirkt, kann es zu unerwünschten Wechselwirkungen kommen.

3
Dieser Weinfehler erinnert an einen ungepflegten Mäusekäfig.

Mäuseln

Beim sogenannten Mäuseln handelt es sich um einen selten auftretenden Weinfehler. Allerdings ist ein Wein, dessen Geruch stark von Ammoniak geprägt ist und an einen schmutzigen Mäusekäfig erinnert, ungenießbar.
Es wird davon ausgegangen, dass das Mäuseln dann entsteht, wenn Weine nicht ausreichend geschwefelt wurden und einen zu geringen Säuregehalt aufweisen. Vom Mäuseln sind in der Regel Rotweine betroffen.

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Ein Weinfehler mit vielen Namen.

Hefepilz, »Brett«, »Pferdeschweiß« oder »nasser Hund«

Dieser Weinfehler hat gleich mehrere Bezeichnungen: Neben Hefepilz wird er auch Brett, Pferdeschweiß oder nasser Hund bezeichnet. Verantwortlich für diesen Fehler ist der Hefepilz Brettanomyces bruxellensis, der unter Weinfans einen Anlass zu zahlreichen Diskussionen bietet. So wird die Besiedlung eines Weines mit diesem Hefepilz von Weintrinkern sehr unterschiedlich wahrgenommen. Während die eine Seite bereits Weine mit einer niedrigen Konzentration des Hefepilzes als mangelhaft bezeichnet, ist die andere Seite der Ansicht, auf sein Vorkommen könne nicht verzichtet werden.

Wie auch immer – sollte Dir nach dem Öffnen der Flasche ein animalisch anmutender Geruch, der sowohl von Schärfe als auch Süße geprägt ist, entgegenschlagen, ist der Hefepilz im Spiel. Grundsätzlich findet sich dieser Weinfehler nur in Rotweinen, die in Eichenfässern reiften. Ob Du den Geschmack als angenehm oder nicht empfindest, hängt von deinen persönlichen Vorlieben ab. Fakt ist, dass der Genuss von Weinen, die über den Hefepilz verfügen, keine Gefahr für Deine Gesundheit darstellt.

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Trübungen und Schlieren entstehen durch Bakterien, Schwermetallrückstände oder durch Eiweißrückstände.

Trübung

Bei der Trübung handelt es sich um einen Weinfehler, der in der Regel erst nach der Abfüllung auftritt. Wird im Rahmen einer Qualitätskontrolle festgestellt, dass Weine eine starke Trübung aufweisen, werden sie aussortiert. Als Ursache für eine Trübung kommen mehrere Aspekte infrage: Sie kann durch Bakterien, Eiweißschlieren oder Schwermetalle hervorgerufen werden.

Bei einer Schwermetalltrübung reagieren die im Wein enthaltenen Gerbstoffe mit Eisen und Kupfer. Obwohl es eher selten vorkommt, dass Gerbstoffe ausfällen und eine sichtbare Trübung verursachen, handelt es sich um einen Weinfehler.

Weine, deren Trübung aufgrund nicht-thermostabiler Proteine hervorgerufen wird, werden ebenfalls als fehlerhaft bezeichnet. Allerdings kann dieser Fehler – wenn er vom Winzer bereits während des Produktionsprozesses erkannt wird – durch den Zusatz von Bentonit behoben werden. Im Anschluss wird diese Substanz durch Filtration wieder entfernt.

Weitaus häufiger entstehen Trübungen aufgrund von Bakterien. Die Trübung entsteht, wenn sich die Mikroorganismen so stark vermehren, dass sie mit dem bloßen Auge wahrnehmbar sind. Weine mit einer bakteriellen Trübung sind nicht mehr trinkbar.

Eine Ausnahme von dieser Regel stellen Naturweine dar. Diese besitzen häufig eine natürliche Trübung. Anders als normale Weine sind Naturweine weder gefiltert noch geschönt. Als normaler Weinkonsument begegnet man diesen Weinen jedoch kaum.

Fazit: Weinfehler oder nicht – das ist hier die Frage

Häufig hängt es von deinem subjektiven Empfinden ab, ob Du eine aromatische oder geschmackliche Besonderheit eines Weines als Fehler erkennst und einstufst. Mithilfe dieses kleinen Ratgebers solltest Du die häufigsten Weinfehler jedoch erkennen. Vorsicht ist in der Regel dann geboten, wenn ein Wein sehr stark nach Schwefel riecht oder trüb ist, denn dann solltest Du ihn nicht mehr genießen!

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