Der Merlot ist nach dem Cabernet Sauvignon die beliebteste Rotweinsorte der Welt. Die Traube stammt ursprünglich aus dem Bordeaux, wird heute jedoch weltweit erfolgreich angebaut. Bei ihm handelt es sich um eine natürliche Kreuzung aus Cabernet Franc und Magdeleine Noire des Charentes – einer beinahe ausgestorbenen Weinrebe. Die Rebsorte liefert die Trauben für den begehrtesten Rotwein der Welt: dem sagenhaften Château Pétrus. Der Merlot zählt außerdem zu den sieben Edeltrauben.

Viele Weintrinker schätzen den Merlot aufgrund seiner zupackenden Aromen aus Schwarzkirsche, Pflaume, Schokolade und Vanille. Seine Weine gelten als besonders zugänglich und sind daher auch für Menschen geeignet, die sonst eher einen Weißwein bevorzugen. Der Merlot ist einer der Grundweine für die berühmte Bordeaux-Cuvée.

Fruchtbetont und anschmiegsam – So schmeckt Merlot!

Der Merlot steht für fruchtige, vollmundige Wuchtbrummen mit ordentlich Alkohol und einer Aromatik, die an eingelegte Sauerkirschen erinnert. Weinkenner bezeichnen dieses Profil all zu gerne als »marmeladig«. Und durchaus besitzen die Weine häufig ein Bukett, welches an eingekochte Furchtkonfitüre erinnert.

Handhabung des Merlot

  • Serviertemperatur: 15 bis 19 °C
  • Glas: Bordeauxglas
  • Karaffieren: Ja (30 bis 60 Minuten)
  • Lagerfähgikeit: 15+ Jahre

Das Geschmacksprofil des Merlot

Typische Aromen der Rebsorte

Farbe und Aromenprofil des Merlot. Pflaume, Schwarzkirsche, Schokolade, Beerenfrüchte und Vanille
  • Schwarzkirsche
  • Brombeeren
  • Schwarze Johannisbeere
  • Himbeeren
  • Pflaumen
  • Bitterschokolade
  • Vanille
  • Eiche

Merlots aus kälteren Anbaugebieten tendieren zu erdigen und phenolischen Noten, die bei einer Blindverkostung leicht mit einem Cabernet Sauvignon verwechselt werden. Die kühleren Temperaturen verlangsamen die Traubenreifung, weshalb die Weine weniger Körper besitzen. Generell gelten Merlots aus solchen Regionen als filigraner, komplexer und erfreuen sich einer größeren Beliebtheit als ihre Geschwister aus wärmeren Klimazonen. Beispiele für Aromen eines Merlots aus kühleren Weinregionen (z. B. Bordeaux):

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    • reife Früchte (Himbeeren, Kirschen, Pflaumen, Cassis und Heidelbeeren)
    • erdige Noten (Waldboden, feuchter Tabak, Bitterschokolade, Kaffee, Trüffel)
    • phenolische Anklänge (Lorbeerblätter, schwarzer Pfeffer, Pfefferminze)

Weine aus den wärmeren Regionen sind einfach zu erkennen. Es sind fruchtige, mollige Wuchtbrummen mit spürbar mehr Tanninen und Alkohol. Sie werden meist in kleinen (z. B. Barrique) bis mittleren Holzfässern ausgebaut. In ihnen erhalten die Weine ihre typischen Fassnoten: Vanille, Karamell und Zedernholz. Ein paar Beispiele für Aromen, die sich in einem Merlot aus wärmeren Weinregionen finden (z. B. Kalifornien, Argentinien und Australien):

    • überreife bis marmeladenartige Frucht (Pflaume, Schwarzkirsche, Brombeeren, Himbeeren)
    • phenolische Aromen (grüne Paprika, Tomatengrün)
    • würzige Noten (Vanille, Zimt, Piment, Zedernholz)
    • erdige Anklänge (Zart-Bitter-Schokolade, zähflüssiger Mokka)

Von billig bis sündhaft teuer – Eine Rebsorte zwischen zwei Welten

Der Merlot stellt keine hohen Ansprüche an seine Böden, wächst aus diesem Grund nahezu überall und gilt als besonders ertragreich. Diese Eigenschaften, zusammen mit seinem gefälligen Geschmacksprofil, erfreuen viele Großproduzenten günstiger Massenweine. Diese Weine finden sich später hauptsächlich in den Regalen von Discountern. Sein Billigwein-Image trägt die rote Rebsorte dennoch zu Unrecht.

Mit der Auswahl der richtigen Böden, einer konsequenten Ertragsreduzierung und aufwendiger Handlese, besitzt der Merlot das Potenzial für großen Weine mit Weltruf – wie dem Château Pétrus. Zwischen einem Merlot aus dem Supermarkt und einem 2015er Pétrus liegen daher nicht nur preisliche Welten. Ein echter Tipp stellt der 2013er Super Substance Northridge Merlot von Wines of Substanze (USA, Columbia Valley) für rund 60,00 € (Stand: August 2020) dar. Jeb Dunnuck beschreibt den Wein für seinen damaligen Arbeitgeber Robert Parker Wine Advocate als: »[…] ein ernsthaftes Unterfangen, das an einen Pomerol der Spitzenklasse erinnert. […]« und verlieh ihm 94/100 Punkten. Zum Vergleich: Der ebenfalls mit 94 Punkten bewertete 1987er Château Pétrus kostet derzeit (August 2020) um die 2.750 €.

Der »Socializer« unter den Weinen – Merlot als Cuvée-Partner

Merlot gilt als der perfekte Verschnittpartner für sonst schwerzugängliche Weine. Bereits geringe Mengen Merlot reichen aus, um beispielsweise einen sperrigen Cabernet Sauvignon zu veredeln und den Charakter des Weins abzurunden. Ein absolut rebsortenreiner Cabernet Sauvignon benötigt sonst Jahrzehnte bis er im Glas richtig zu scheinen beginnt.

Der Merlot als Essensbegleiter

Merlot gilt als ein echter Allrounder und passt zu einer Vielzahl an Gerichten. Aufgrund seines Geschmacksprofils eignet er sich jedoch hervorragend zu gegrilltem oder geschmortem Rindfleisch oder gebratenem Wild. Bei der nächsten Grillparty machst du mit einem Merlot definitiv nichts falsch.

Diese Gerichte isst man zu Merlot?

  • Pizza
  • gegrilltes Hähnchen
  • gebratenes Geflügel (Gans, Truthahn)
  • Ratatouille
  • Rindfleisch (z. B. Steak)
  • Lammrücken
  • Kalbsbraten
  • Schmorgerichte

9 Fakten über Merlot

  1. Merlot ist die am meisten gepflanzte Rebsorte in Frankreich. Weltweit belegt sie den Platz 2 bei den am meisten angebauten Rebsorten.
  2. Der Name »Merlot« bedeutet übersetzt so viel wie »kleineAmsel«
  3. Sein niedriger Tanningehalt macht ihn für Weintrinker attraktiv, die sonst eher Weißweine bevorzugen. Das brachte ihm seinen englischen Spitznamen »Easy Red« ein.
  4. Aus Merlot wird der Château Pétrus, einer der begehrtesten Weine der Welt, hergestellt. Selbst in schlechten Jahren kostet eine solche Flasche mehr als 2.000 €.
  5. Merlot ist neben dem Cabernet Sauvignon und dem Pinot Noir eine der drei roten Edeltrauben.
  6. Merlots aus kälteren Klimazonen (z. B. Frankreich) bringen grazile und schlankere Weine mit mehr Tannin und pflanzlich-erdigen Aromen hervor.
  7. Ein wärmeres Klima (Australien, Argentinien oder Kalifornien) sorgt für üppige und alkoholreiche Weine mit weniger ausgeprägten Gerbstoffen.
  8. Merlot ist ein perfekter Begleiter für gebratenes und gegrilltes Rindfleisch, Lamm und Ente.
  9. Durch ihr fruchtbetontes Aroma wirken Merlots etwas süßlich, obwohl er fast ausschließlich trocken ausgebaut wird. Dies macht ihn vor allem für Anfänger zugänglich.
  10. Der 2004 erschienene Film Sideways rückte die Rebsorte in ein schlechtes Licht. Teilweise rissen daher Winzer ihre Merlotreben aus den Weinbergen und ersetzten diese durch beliebtere Weinsorten.

Herkunft und Geschichte des Merlot

Lange Zeit galt der Ursprung der Rebsorte als nicht eindeutig belegt. Neuere DNA-Untersuchungen ergaben, dass die Geburtsstätte des Merlot im Bordeaux liegt, wo er bis heute die beliebteste Rebsorte darstellt.

Bei ihm handelt es sich um eine natürliche Kreuzung aus Cabernet Franc und Magdeleine Noire des Charentes. Letztere galt lange Zeit als ausgestorben und wurde 1992 zufällig wiederentdeckt. Erst 2009 entdeckte die University of California, Davis durch DNS-Analysen, dass es sich bei ihr um die bisher unbekannte der beiden Elternreben des Merlot handelt.

Anforderungen an den Boden, das Klima und den Winzer

Merlot wächst nahezu überall. Die Rebsorte stellt nur wenige Ansprüche an ihren Boden und gedeiht sowohl in kälteren als auch wärmeren bis heißen Regionen mit hohen Erträgen. Diese Anspruchslosigkeit macht sie bei Großproduzenten so beliebt. Am Ende des Jahres sind ihre Tanks voller Wein, den sie in Massen an Discounter absetzen können.

Anders sieht die Lage aus, wenn man Merlots der Spitzenklasse produzieren möchte. Die sandigen und mit eisenhaltigem Ton unterlegten Kiesböden des Bordeaux gelten als die perfekte Unterlage für einen Merlot von Weltklasse. Auf genau solchen Böden wachsen die wertvollen Merlotreben des Château Pétrus.

Früher Austrieb erhöht Anfälligkeit für Frostschäden

Da die Rebsorte früh austreibt, stellen Spätfröste im Frühjahr die größte Gefahr für die Gesundheit der Pflanze dar. Welche Auswirkungen solche Frostperioden haben können, lässt sich im Bordeaux beobachten: In Jahren mit heftigen Kälteeinbrüchen fällt die Ernte so schlecht aus, dass teilweise kein Merlot produziert wird. Dieser Nachteil macht sich in guten Jahrgängen jedoch als Vorteil bemerkbar. Durch seinen frühen Austrieb können die Merlottrauben früher gelesen werden. Nasse und kalte Herbstmonate sind für die Winzer daher weniger problematisch, da der Merlot bereits im Spätsommer gelesen wurde.

Dünne Beerenschale birgt Anfälligkeit für Krankheiten

Ihre dünnschaligen Beeren sind das Geheimnis für die Zugänglichkeit ihrer Weine, da aus ihnen weniger Tannin in den Wein gelangt. Dieser Vorteil wird jedoch durch eine höhere Empfindlichkeit für diverse Krankheiten erkauft. So sind die Beeren anfälliger für Botrytis cinerea (Grauschimmelfäule). Um diese zu verhindern, stehen dem Winzer zwei Möglichkeiten zur Verfügung: Ein aufwendiger Laubschnitt, damit stets genug Luft um die empfindlichen Beeren zirkuliert, oder ein intensiver Einsatz von Pflanzenschutzmitteln.

Durch den hohen Arbeitsaufwand bei der Laubbearbeitung, die von Hand ausgeführt werden muss, kommt sie ausschließlich bei Spitzenweinen infrage. Hersteller von Discounter-Weinen müssen aus Kostengründen mit Pestiziden und Fungiziden arbeiten. Die dünne Schale macht die Beeren außerdem anfälliger für Hagel- und Fraßschäden (z. B. durch Wespen).

Spitzenweine nur durch Ertragsreduzierung möglich

Unter guten Voraussetzungen gilt Merlot als eine ertragsreiche Rebsorte. Was für Massenweinproduzenten ein Grund zur Freude ist, bedeutet für Weingüter mit dem Ziel von Spitzenweinen einen erheblichen Mehraufwand. Denn es gilt im Weinbau die goldene Regel: Je weniger Trauben ein Rebstock versorgen muss, desto mehr Kraft kann die Rebe in deren Versorgung stecken und desto besser wird der spätere Wein. Der Winzer muss daher im Frühsommer einen Großteil der unreifen Trauben herausschneiden. Wenn du mehr hierüber erfahren möchtest, empfehlen wir dir den Artikel über das Menge-Güte-Gesetz im Weinbau.

Namensgebung und erste urkundlichle Erwähnung

Die älteste bekannte Erwähnung des Merlot stammt aus dem 14. Jahrhundert. Damals war die Rebsorte noch unter dem Namen Crabatut noir bekannt. Unter seiner heutigen Bezeichnung kennt man die Rebe spätestens seit dem Ende des 18. Jahrhunderts, wo sie schon als eine der wichtigsten Sorten des Bordeaux galt.

Der Name Merlot leitet sich vom französischen Wort für Amsel (frz: merle) ab. Die Vögel sollen eine Vorliebe für die kleinen und besonders süßen Trauben der Rebsorte haben. Eine andere Geschichte besagt, dass die schwarz-blaue Beerenschale – die an das Gefieder der Vögel erinnert – dem Merlot zu seinem Namen verhalf. Welche und ob eine der beiden Legenden wahr ist, wird wohl nie wirklich geklärt. Plausibel klingen sie jedoch beide.

Der Sideways-Effect – Wie Hollywod den Merlot in Verruf brachte

Bereits in den 90er-Jahren waren Merlots aus der Neuen Welt – vor allem dem Napa Valley, USA – unter Weinkritikern in Verruf geraten. Sie galten als uninspirierte, mollig-süße Weine für ein Publikum welches eher auf ihre berauschende Wirkung stand, statt die Qualität eines Weines zu genießen. Hauptsache, es dreht sich und schmeckt nicht danach. Aus diesem Grund fiel der Preis für Merlot seit Anfang der 1990er-Jahre beständig und erholte sich erst 10 Jahre später – wenn auch nur geringfügig. Bis heute ist der Preis pro Tonne für Merlot nicht vergleichbar mit seiner Hochzeit in den 1970er bis 1980er Jahren.

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Als 2004 der Film Sideways in die Kinos kam, geriet Merlot auch bei der breiten Öffentlichkeit in Verruf. Der Grund: Eine Textzeile von Miles Raymond (gespielt von Paul Giamatti). »No, if anyone orders Merlot, I’m leaving. I am not drinking any fucking Merlot!« Dieses Zitat ging um die Welt und machte Merlot über Nacht zum Synonym für minderwertige Rotweine.

No, if anyone orders Merlot, I’m leaving. I am not drinking any fucking Merlot!

Miles Raymond

Der Effekt des Films wird jedoch generell überschätzt. Als Sideways 2004 in die Kinos kam, war der Kurs für Merlot bereits auf einem historischen Tiefstand. Zwar fiel der Preis pro Tonne auch nach dem Film noch weiter; verglichen mit dem Preissturz von 1990 bis 2004 war dieser Preisrückgang jedoch eher vernachlässigbar.

Merlot – Merlot geht auch in geil, aber nicht billig!

Ich habe noch nie viel von »generellen Meinungen« gehalten. Wer auf marmeladenartige Fruchtbomben steht, die einen in den Arm nehmen und sich wie eine flauschige Decke um einen legen, der fühlt sich mit einem guten(!) Merlot wohl. Und ganz ehrlich: Manchmal möchte man in den Arm genommen werden. Daher mein Ratschlag: Pfeift auf die Meinung von Wine-Snobs und trinkt, was euch Spaß macht. Selbst die größten Merlot-Hasser würden zu einem Pétrus nicht Nein sagen, nur weil es ein Merlot ist.

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