Die Rebsorte Blaufränkisch ist vor allem für ihre fruchtbetonten, tanninreichen und säurestarken Rotweine bekannt, die teilweise ein außerordentliches Lagerpotenzial besitzen. In ihrer österreichischen Heimat wird sie vor allem im Burgenland angebaut, weshalb die Region auch als Blaufränkischland bezeichnet wird. In diesem Artikel erfährst du alle wichtigen Informationen über die Rebsorte, ihre Geschichte, welche Ansprüche sie stellt und was dich im Glas erwartet.

Die Geschichte der Rebsorte

Bei der österreichischen, autochthonen Rebsorte Blaufränkisch handelt es sich um eine spontane Kreuzung zwischen Blaue Zimmettraube und Weißer Heunisch. Heutige Forschungen verorten die Entstehung der erstmals im 18.- Jahrhundert nachgewiesenen Rebsorte auf die historische Untersteiermark. Das damals zu Österreich zählende Gebiet liegt heute in Slowenien.

Den Weg nach Deutschland fand der Blaufränkisch erst ab der Mitte des 19.- Jahrhunderts. Hierzulande ist er jedoch eher unter seinem Synonym Lemberger bekannt, welches sich auf die Ortschaft Lemberg bezieht. Aus dem heute zu Slowenien gehörenden Ort wurden 1877 die ersten Rebstöcke der »Lembergerrebe« nach Deutschland verkauft.

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Aufgrund seiner über 120 Synonyme wird jedoch angenommen, dass die Rebsorte bereits deutlich älter sein muss.

Woher er den Namen Blaufränkisch bekam

Anders als die Herkunft ihrer deutschen Bezeichnung ist der Ursprung des Namens »Blaufränkisch« nicht zweifelsfrei belegt. Eine weitverbreitete Legende berichtet davon, dass die rote Rebsorte ihren Namen dem Frankenkönig Karl dem Großen zu verdanken hat. Dieser ordnete an, die edlen fränkischen Traubensorten von den minderwertigen heunischen Sorten zu trennen.

Die mittelalterliche Bezeichnung »fränkisch« meint dabei keine spezielle Sorte, sondern umschließt eine ganze Gruppe an Sorten, die nach der Eroberung Galliens durch Karl den Großen nach Deutschland gebracht wurden. Zur Gruppe der fränkischen Trauben zählen auch Riesling, Silvaner und der Pinot noir. Die heunischen Reben haben ihren Namen von den gefürchteten Hunnen und galten gemeinhin als minderwertig.

Durch diese künstliche Selektion soll sich der Blaufränkisch entwickelt haben.

In diesen Weinregionen wird er angebaut

Die größte mit Blaufränkisch bestockte Rebfläche findet sich in Ungarn mit über 7260 ha. Das bedeutendste Anbaugebiet befindet sich jedoch weiterhin in Österreich, genauer gesagt im Burgenland. In Deutschland findet man ihn auf rund 1900 ha. Hierzulande wird er vor allem in der Region Württemberg (ca. 1760 ha) angepflanzt.

Dank seiner steigenden Beliebtheit findet man den Blaufränkisch mittlerweile in weiteren Gebieten Europas und sogar in der Neuen Welt. So stehen einige kleine Parzellen auch in den USA, Kanada und Australien.

Ungarn

Ungarn ist mit rund 7260 ha Rebfläche der unangefochtene Spitzenreiter im Anbau der Sorte. Zwar liegt das internationale Augenmerk vor allem auf Österreich, doch in Sachen Qualität müssen sich die ungarischen Kékfrankos, wie die Rebsorte hier genannt wird, nicht verstecken. Der Name Kékfrankos bedeutet übersetzt übrigens so viel wie »blauer Franke« und soll auf die Zeit zurückgehen, in der Napoleon mit seinen Truppen durch Ungarn zog. Dieser bezahlte seine Soldaten mit roten Francs, die etwas weniger Wert waren als blaue Francs – die damals offizielle Währung Frankreichs. Die Winzer erkannten die hohe Nachfrage der napoleonischen Truppen an ihrem Wein und verlangten fortan die Bezahlung in blauen Francs. So erhielt die Rebsorte der Legende nach ihren Namen.

Die wichtigsten Anbaugebiete für hochwertige Weine der Sorte liegen am südlichen Ufer der Neusiedlersees, am Balaton und in Villány, dem am südlichsten gelegenen Weinbaugebiet Ungarns.

Österreich

Wer Blaufränkisch sagt, muss automatisch an Österreich denken. Hier hat die Rebsorte in den letzten Jahrzehnten eine wahre Renaissance erlebt und erfreut sich international einer wachsenden Beliebtheit. Dies sorgte dafür, dass die Sorte mittlerweile fest mit dem Land in Verbindung gebracht wird.

Mit gerade einmal 2807 ha (Stand 2015) verfügt Österreich zwar über deutlich weniger Rebfläche als Ungarn, besitzt aber international ein höheres Renommee als sein süd-östlicher Nachbar.

Beinahe alle Reben der Sorte stehen im östlich gelegenen Burgenland. Im Speziellen sei hier das Mittelburgenland erwähnt, was unter Weinliebhabern auch als Blaufränkischland bezeichnet wird. Dort entstehen einige der hochwertigsten Rotweine Österreichs. Ab dem Jahrgang 2005 darf Blaufränkisch aus dem Mittelburgenland als »Mittelburgenland DAC« (Districtus Austriae Controllatus) vermarktet werden. Die geschützte Herkunftsbezeichnung wurde 2006 eingeführt, um der hohen Qualität der Weine Rechnung zu tragen.

Weitere Weinbaugebiete für hochwertige Weine der Rebsorte sind Eisenberg DAC, Leithaberg DAC, Carnuntum DAC und das kleine Gebiet Rosalia DAC.

Deutschland

Der in Deutschland gebräuchliche Name der roten Rebsorte lautet (Blauer) Lemberger. Sie ist aber auch unter ihrem Synonym (Blauer) Limberger bekannt, unter welchem die Rebsorte hierzulande klassifiziert ist. Hier findet man die Sorte vor allem im Weinanbaugebiet Württemberg, wo beinahe alle der in Deutschland gepflanzten Rebstöcke der Rotweinsorte stehen.

Im Rest der Welt

Mittlerweile erfreut sich die Rebe international einer stetig wachsenden Beliebtheit. So finden sich auch in Kanada, Peru, Chile oder der Schweiz einige mit Blaufränkisch bestockte Weinberge.

Anforderung an den Boden und das Klima

Der Blaufränkisch ist eine spät reifende und früh austreibende Rebsorte. Das macht ihn besonders anfällig für Spätfröste im Frühjahr. Generell stellt die rote Rebsorte hohe Ansprüche an die klimatischen Bedingungen ihres Standorts. Sie wächst am Besten in warmen Regionen und an windgeschützten Bereichen. Bei zu kalten Temperaturen während der Blühphase neigt die Rebsorte stark zur Verrieselung.

Was den Boden angeht, ist die Sorte recht anspruchslos und verträgt sogar einen hohen Kalkanteil ohne nennenswerte Probleme. Generell lässt sich jedoch sagen, dass sie tiefgründige und lehmige Böden bevorzugt. Da Blaufränkisch in nährstoffreichen Untergründen zu massenhaften Erträgen neigt, sollte er auf kargen Böden gepflanzt werden, um eine hohe Qualität der Weine zu gewährleisten.

Wie schmeckt ein Blaufränkisch-Wein

Blaufränkisch-Weine weisen mitunter bemerkenswerte Qualitäten und eine intensive Fruchtaromatik auf, die von einer frischen Säure perfekt ausbalanciert wird. Durch die dicke Schale seiner Beeren besitzen die Weine einen hohen Gerbstoffgehalt, was ihnen ein außerordentliches Lagerpotenzial verleiht. Ein hochwertiger Blaufränkisch kann problemlos 10 bis 15 Jahre reifen. Spitzenweine sogar 50 und länger. Gereifte Weine zeichnen sich durch einen komplexen, tiefgründigen und eleganten Charakter aus.

Während der Reife verbinden sich die Tannine mit den Farbstoffen des Weins, fallen aus und lagern sich am Boden der Flasche als Depot ab. Aus diesem Grund muss ein reifer Blaufränkisch-Wein fast immer dekantiert werden.

Weine der Rebsorte werden bei 15 bis 20 °C serviert. Wobei leichte und fruchtige Vertreter eher kühl und große Tropfen auf der wärmeren Seite ins Glas kommen.

Seine Aromen und das Geschmacksprofil

Je nach Lesequalität und Ausbau finden sich zahlreiche Varianten des Blaufränkisch. Vom leichten, fruchtbetonten Wein bis zum intensiven, erdigen Tropfen mit hohem Gerbstoffgehalt.

Seine fruchtigen Vertreter zeigen in der Nase fast immer Aromen von Sauerkirschen, Brombeeren, Pflaumen und schwarzen Johannisbeeren.

Weine der Rebsorte, die im Holzfass ausgebaut wurden, besitzen häufig erdige und süßliche Noten von Vanille, dunkler Schokolade, Pfeffer und Piment.

Auch am Gaumen zeigt sich der Blaufränkisch je nach Ausbauvariante facettenreich. Auf der einen Seite finden sich die leichten, einfachen und fruchtigen Weine, die meist im Stahltank ausgebaut wurden. Diese bieten den perfekten Einstieg für Neulinge, die sich mit der Rebsorte beschäftigen wollen. Auf der anderen Seite stehen die extraktreichen, häufig im großen Holzfass (aber auch im Barrique) ausgebauten Blaufränkisch, die sich mit einem tiefen schwarz-rot im Glas präsentieren und in der Nase ein intensives, aber würziges Spektrum von Aromen offenbaren.

Diese Gerichte passen zu Blaufränkisch

Österreichs Parade-Rotweinsorte ist als hervorragender Begleiter für eine Vielzahl von Speisen geeignet. Leichte und fruchtigere Weine der Rebsorte passen hervorragend zu einer deftigen Brotzeit mit Wurst und runden geschmortes Gemüse ab. Sie eignen sich als allgemeine Weinempfehlung für die nächste Grillparty.

Seine tanninbetonten Vertreter schreien förmlich nach Protein und Fett. Sie sind die erste Wahl bei Entrecote, Wildgeflügel oder Lamm.

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