Es gibt Weine, bei denen man vom ersten Schluck an weiß, dass der Abend positiv verlaufen wird. Noch besser wird es allerdings, wenn man diese Weine nicht auf dem Schirm hatte. Bei einem von Winning Sauvignon Blanc 500 weiß man, was einen erwartet. Der Höhenflug vom Weingut Hensel aus der Pfalz flog allerdings bisher unter meinem Radar – ein fataler Fehler!


Flüssiges Traubengold im Glas

Bereits beim Einschenken wundert man sich. In einem satten und strahlenden Gold fließt der Wein ins Gabriel-Glas. Eine solche Farbe hätte ich von einer gereiften Auslese erwartet, aber nicht von einem Sauvignon Blanc aus 2016.

Wer den Wein bereits kennt, wird wissen, woher die Farbe rührt. Der Höhenflug wird teilweise im Barrique ausgebaut. Der oxidative Ausbau sorgt allerdings nicht nur für die erhabene Farbe. Auch in seinen Aromen macht sich das Holz deutlich bemerkbar.

Entschuldigung, haben Sie Vanille gesagt?

Das Schöne am Barrique ist das große Holz-zu-Wein-Verhältnis. Im Klartext nimmt der Wein mehr Aromen aus dem Holz auf und hat mehr Kontakt zu Sauerstoff.

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Ich nehme schwer an, dass zumindest einige Fässer frisch getoastet wurden. Denn zu Beginn bestimmt das Holz das aromatische Geschehen. Die restlichen Aromen werden zunächst unter einem Schleier aus Vanille und Karamellnoten verdeckt.

Mit etwas Luft, Zeit und Temperatur arbeiten sich die anderen Aromen allerdings an die Oberfläche und man vernimmt Anklänge von reifen tropischen Früchten, Cassis, gelbe Äpfel und betörende, balsamische Noten.

Die Komplexität leidet etwas unter dem dominanten Holz. Zu meiner Scham muss ich gestehen, dass mir das nicht all zu negativ aufstößt. Die anderen Aromen sind anwesend, wollen aber entdeckt werden. Ein Wein muss sich nicht immer direkt offenbaren. Für »mal eben ne Flasche aufziehen« ist er nicht geeignet. Dieser Sauvignon Blanc will genossen werden.

Wenn man wirklich etwas kritisieren möchte, dann ist es das dominante Holz, unter dem die Komplexität des Buketts etwas leidet.

Warte bitte! Der ist wirklich trocken?

Beim ersten Schluck überrascht er dann um so mehr. Bei einem Sauvignon Blanc erwarte ich eine rassige Säure. Falsch gedacht! Auch hier zeigt der Höhenflug, dass ihn die üblichen Spielregeln nicht interessieren.

Schon beim ersten Kontakt mit der Zunge breitet sich eine überraschende Süße aus. Mit 13,00 % Alkohol muss er allerdings durchgegoren sein.

Der Süße Eindruck kann also nur drei Quellen haben, die wohl alle in den Geschmack einzahlen: Extrakt, Alkohol und die Karamellnoten vom Barrique.

Blind verkostet hätte ich ihm definitiv einiges an Restzucker zugesprochen.

Was die Balance angeht, ist der Höhenflug, der wohl ausgewogenste Sauvignon Blanc den ich bisher probieren durfte, auch dank seiner Extraktsüße.

Alleinunterhalter oder Speisebegleiter?

Ich kann mir den Hensel Höhenflug Sauvignon Blanc 2016 gut zu Gänseleber oder sogar einem Käsegang vorstellen. Seine Stärken sehe ich allerdings als Alleinunterhalter.

Ein lauer Sommerabend auf der Terrasse, dazu ein guter Gesprächspartner, um über den Wein zu philosophieren und mein Abend ist perfekt. Leider hatte ich den Wein bis heute überhaupt nicht auf meiner Uhr. Das hat sich heute schlagartig geändert.

Preis:

14,50 €

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Überblick der Rezensionen
Balance
9
Länge
9
Intensität
9
Komplexität
6
Preis-Leistung
10