Gut Oggau Rot 2016 - Österreich, Burgenland

Natural Wine heißt eben nicht nur den Wein naturbelassen zu produzieren, sondern sich auch den natürlichen Schwankungen der Natur zu unterwerfen, sich jedoch nicht von ihnen bezwingen zu lassen. Ganz nach dem Motto: »Gibt dir das Leben Zitronen, mach‘ halt trotzdem Wein daraus!«

Das Weinjahr 2016 war für das Gut Oggau definitiv keines von der einfachen Sorte. Im Frühling setzte starker Frost den frischen Austrieben zu und im Sommer tat der Hagel sein übriges an den noch reifenden Trauben. Am Ende verlor Gut Oggau dadurch zweidrittel seiner Ernte – ein bitterer Verlust für das erst 2007 gegründete Weingut.

Die Natur zeigte sich von ihrer erbarmungslosen Seite, doch die Flinte ins Korn zu werfen kam für die beiden Österreicher nicht infrage. Opportunistisch beschlossen sie in diesem Jahr nur drei Weine auszubauen und auf ihre übliche Auswahl zu verzichten.

Eine zickige Schönheit – Der Gut Oggau, Rot 2016

Gleich zu Beginn präsentiert sich der Gut Oggau Rot 2016 recht zickig. Verschlossen und irgendwie muffig stieg er in die Nase und dann auch noch wahrnehmbare Kohlensäure auf der Zunge. Dem Wein steckt seine schwere Geburt wohl immer noch in den Knochen.
Hinter dem Schleier aus Muff und Kohlensäure erahnt man jedoch bereits den wahren Charakter des Weins.

Da ist etwas Schönes in dieser Flasche versteckt und möchte rausgeholt werden. Also ab in die Karaffe mit dem Baby und einmal schön Luft an den Wein gelassen. Nach einer Stunde war er dann da – und wie er da war!

In Cognac eingelegter Tabak, Lakritz und Zartbitterschokolade mit roten Früchten: Nach etwas Zeit zeigt sich der Gut Oggau, Rot 2016 von seiner besten Seite.

In der Nase zeigte er keine Spur mehr von Muff. Jetzt entsprang dem Glas eine ganze Parade wunderbarer Aromen. Deutliche Noten von Lakritz, umspielt von einer Auswahl warmer Gewürze. In Zartbitterschokolade eingelassene Sauerkirschen, trockenes Altholz und in Cognac eingelegte Tabakblätter.

Im Mund lässt er seiner verspielten Natur freien Lauf. Eine zarte Gerbstoffstruktur, ein anregendes Säurespiel und eine ordentliche Länge, von der ich mir jedoch mehr erhoffte. Die Kohlensäure hat sich durch die Karaffe in Luft verwandelt – im wahrsten Sinne.

Nase:

  • Kräuter
  • Vanille
  • Sauerkirschen
  • trockenes, altes Hoz
  • Lakritz
  • eingekochte Beerenfrüchte
  • Zartbitterschokolade
  • in Cognac eingelegter Tabak

Gaumen:

  • leicht und fruchtig
  • reife, samtige Tanninstruktur
  • straffes Säuregerüst
  • gute Länge

Datenblatt

WeingutLandGebietJahrgangQualitätsstufeRebsorte
Gut OggauÖsterreichBurgenland2016Österreichischer LandweinBlaufränkisch & Zweigelt
AusbauTrinktemperaturKaraffierenBesonderheitenAlkohol
12 Monate, 500 L Holzfass und Beton≈ 16 °CJabiodynamisch, unfiltriert, ungeschönt12,5 Vol.-%

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